Gartenwohnungen sind in Österreich sehr beliebt. Gerne werden Gärten von den Eigentümern liebevoll angelegt und gepflegt. Doch beim Bau eines Gartenhauses ist vor allem im Wohnungseigentum einiges zu beachten.

Gartenhaus als Stein des Anstoß

In seinem Urteil (5 Ob 208/11s) vom 24.04.2012 hatte sich der Oberste Gerichtshof mit dem Bau eines Gartenhauses zu beschäftigen. Hierbei ging es um ein ca. 20m² großes und über 4m hohes hölzernes Gartenhaus.

Änderungen sind im Wohnungseigentum prinzipiell erlaubt

Der Wohnungseigentümer ist prinzipiell zu Änderungen an seinem Wohnungseigentumsobjekt auf seine Kosten berechtigt. Die Änderung darf allerdings weder eine Schädigung des Hauses noch eine Beeinträchtigung schutzwürdiger Interessen der anderen Wohnungseigentümer, besonders auch keine Beeinträchtigung der äußeren Erscheinung des Hauses, noch eine Gefahr für die Sicherheit von Personen, des Hauses oder von anderen Sachen zur Folge haben. (§ 16 Abs 1 Z 2 WEG 2002)

Negatives Erscheinungsbild aufgrund der Größe

Dem oben beschriebenen Gartenhaus kam beim Zufahren und Zugehen zur Liegenschaft eine erhebliche Auffälligkeit zu. Der Anblick des im Vordergrund stehenden, aufragenden Gartenhauses in der beschriebenen Form stand im störenden Gegensatz zum Konzept des mit klaren Formen horizontal gegliederten, in Terrassen dem Hang folgenden Baukörpers. Es lag eine negative Beeinträchtigung des Erscheinungsbilds der Wohnhausanlage vor.

Duldungspflichten aus vertraglichen Vereinbarungen können nicht Gegenstand eines Verfahrens nach § 52 Abs 1 Z 2 WEG 2002 sein, weil sie gerade nicht genehmigungsbedürftig wären. Folglich hat die Zustimmung der Mehrheit oder des Verwalters, aber auch eine Zusage des Wohnungseigentumsorganisators im Verfahren, keine Relevanz (vgl 5 Ob 25/90 wobl 1991/53). Für den Fall, dass ein Änderungsbegehren auf Vereinbarung gestützt wird, kann dieses nur im streitigen Verfahren geltend gemacht werden.

Die Zulässigkeit einer Änderung nach baurechtlichen Vorschriften begründet für sich noch keine Duldungspflicht der anderen Wohnungseigentümer.

Ein negatives Erscheinungsbild stellt ein schutzwürdiges Interesse anderer Wohnungseigentümer dar

Nicht jede wertneutrale Veränderung stellt eine Beeinträchtigung der äußeren Erscheinung des Hauses dar. Hierzu ist es notwendig, dass die Veränderung gleichzeitig eine Verschlechterung des Erscheinungsbildes bewirkt. Es widerspricht dem Wortlaut des § 16 Abs 2 Z 1 WEG 2002 schutzwürdigen Interessen anderer Wohnungseigentümer, wenn das äußere Erscheinungsbild des Hauses negativ beeinträchtigt wird.

Quelle: Rechtsinformationssystem des Bundes